Somatischer Salon 2014

Der Salon der Somatischen Akademie

Über Jahrhunderte trafen sich in den kulturellen Zentren Westeuropas abseits öffentlicher Institutionen politisch, wissenschaftlich oder künstlerisch engagierte Männer und Frauen an einem bestimmten Tag der Woche in privaten Abendgesellschaften, um jenseits der hierarchischen Trennung der Geschlechter, der Stände und der Berufe zu diskutieren, Anregung oder Verbündete zu finden, zu streiten und zu lachen. Während die Gespräche in den Herrschaftszentren rituell erstarrten, tagte die pulsierende Avantgarde des Denkens, der Kunst, der Wissenschaft und der Politik, mit ihren Ideen der Wandlung, der Vielfalt, der Grenzüberschreitung und des Umsturzes in den Salons brillianter Frauen (den sogenannten Salonières, die mit spitzer Zunge, klarem Geist, Charme und Witz ihre immer neu und bunt gemischten Abendgesellschaften aus Künstler_innen, Revolutionär_innen, Ketzer_innen und Querdenker_innen miteinander ins Gespräch brachten.

Mal gab es dazu Suppe, mal keine, je nach Geldbeutel der Salonières, aber immer gab es spannende Unterhaltungen, Momente des Spiels, Funken hitziger Debatten sowie verschiedene Sitzmöbel für variable Kleingruppen, und einen oder mehrere Gäste des Abends, deren Persönlichkeit, Talent, Werk, Projekt oder Wissen im Zentrum des Abends standen.

Die Somatische Akademie  hat nicht EINE Salonière, sondern wagt den zeitgenösch-queeren Sprung zum vielgeschlechtlichen Salon-Team. Marion Evers, Anja Streiter, Kai Erhardt und Katja Münker laden an jedem letzten Mittwoch des Monats den Salon illustre Gäste zum Plausch und Diskurs: Tänzer und Tänzerinnen, Lehrende und Forschende, Künstler und Wissenschaftlerinnen, Grenzgängerinnen, Übersetzende und Hin- und Her-Wandernde in den Höhen jenes Berges europäischen Denkens, an dem, so der Philosoph Hermann Schmitz, „der Leib in einer Gletscherspalte verschwand“.

 

Die Aufspaltung des ganzheitlichen leiblichen Erlebens hat weitreichende Effekte auf die Art und Weise, wie wir miteinander und mit uns selbst kommunizieren und umgehen.  Sie bedingt, wie wir unsere Welt erleben und gestalten, und wie wir uns in uns selbst, in Gesellschaft anderer und in Bezug auf die Umwelt verbunden und zugleich frei erleben können. Diesen Preis des Modells vom objektiven Körper und auf der anderen Seite die Möglichkeiten und die Bedeutungen der Entfaltung des leiblichen Spürens in allen Bereichen unseres Lebens zur Sprache zu bringen und zu diskutieren, ist das Anliegen des Somatischen Salons. So widmet die Somatische Akademie das Programm seiner Salons den Themen-Bereichen: Leib und Ethik, Leib und Ästhetik, Leib und Sprache, Leib und Gesellschaft und Leib und Individuum.

 

Das Programm 2014:
Mittwoch 25.06.14 – Somatische Geschichten und Geschichte

Zu Gast:

Irene Sieben – Journalistin/Tanzpädagogin/Feldenkraislehrerin (Berlin)

Salonière:
Katja Münker

Im Gespräch mit Katja Münker wird sie auf ihre warme und lebendige Weise aus ihrem reichhaltigen Schatz von Erfahrung in diversen Somatischen Methoden erzählen und von den menschlichen Begegnungen mit vielen zeitgenössischen Gründern dieser Methoden.

Da sie in ihrem Leben auch die Verwobenheit von Tanz und den somatischen Methoden verkörpert, wird das Gespräch Einblicke in eine große Spanne von individueller und kollektiver Bewegungsgeschichte und – geschichten geben.

Katja Münker und Irene Sieben verbindet eine langjährige kollegiale und persönliche Freundschaft, die in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Kooperationen im künstlerischen Forschungs- und Erfahrungsfeld der am leiblichen Spüren orientierten Methoden ihren Ausdruck gefunden hat.

Einlass ab 20:00
Beginn: 20:15
Eintritt: 5€
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Photo moving-moments.de @ Bettina Stöß

Mittwoch 24.09.14 – Über_Setzen … von Erfahrungen, Bildern und Sprachen

Zu Gast:
 
Ka Rustler – Tänzerin/Choreografin/BMC-Practitioner/Dozentin/Übersetzende (Berlin)
Christine Mauch – Shiatsupraktikerin/Tänzerin/Tanzpädagogin/Übersetzende (Berlin)

Salonière:
Anja Streiter

Dieser Salon widmet sich der Sprache und ihrer Rolle in den somatischen Methoden. Fragen, Anweisungen, sachliche und metaphorische Beschreibungen schaffen in der Anleitung der Methoden besondere Zugänge zum Spüren und einem manchmal wortlosen Erleben.

Diese Erfahrung verändern ihrerseits Sprache und Sprechen. Anja Streiter, Filmwissenschaftlerin, Qigong Lehrerin und manchmal Feder der somatischen Akademie, wird mit Christine Mauch und Ka Rustler über die Verbindungen von Sprachlichkeit und Verkörperung sprechen.

Christine Mauch und Ka Rustler sind seit langem Lehrerinnen somatischer Methoden und Übersetzerinnen von Texten aus dem Feld der Somatics.

Einlass ab 20:00
Beginn: 20:15
Eintritt: 5€

 

Mittwoch 29.10.14 – Körper, Ding, Material - Somatische Begegnungen

Zu Gast:







Paula Kramer – Performerin / Tanzforscherin (Berlin)

Salonière:
Katja Münker

Mit diesem Salon begeben wir uns in die Welt der Ding- und Stofflichkeiten und fragen nach dem Zusammenwirken von Körper, Ding, Material. Struktur, Gewicht, Temperatur. Luftzug, Arm, Eisenbahn.

Paula Kramer lädt ein, Material zu berühren und sich berühren zu lassen und über Bewegung als Begegnung mit Vielfalt nachzudenken.

Wie entwickelt sich Bewegung in Verbindung mit Orten, Gegenständen und ihren Gegebenheiten?
Was bedeutet das für unser Leben im weitesten Sinne, in Mitten von Organismen, Objekten und Witterungen?
Was bedeutet es für unsere Arbeit in den somatischen Methoden?
Welches Potential eröffnet sich dadurch in kreativen und choreographisch-performativen Prozessen?

Einlass ab 20:00
Beginn: 20:15
Eintritt: 5€
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Mittwoch 26.11.14 –  The Art of Making Choices  -  Feldenkrais als Kritische Praxis

Zu Gast:

Dr. phil. Thomas Kampe – Tänzer/Choreograf/Feldenkrais Practitioner/Dozent (UK)

Salonière:
Katja Münker

Der letzte Salon dieses Jahres widmet sich der Frage: Was bietet uns somatische Praxis an Möglichkeiten zu einer kritischen Praxis?

Katja Münker trifft ihren Gast und Feldenkrais/Choreografen-Kollegen Thomas Kampe, der ‚irgendwann darüber nachzudenken begann, was an der Feldenkrais-Arbeit über das spielerische Entkonditionieren unseres persönlichen Selbstbildes hinausgeht‘. 

In diesem Salon-Gespräch wird es sowohl um eine genauere Befragung der Feldenkrais-Methode gehen, z.B.: Kann man Feldenkrais' Vorstellung von Mündigkeit (Maturity) als verkörperte Kritikfähigkeit verstehen? Und welches Gesellschaftsbild steht hinter der Feldenkrais Methode?
Im weiteren Sinn wird es aber auch um eine generelle Betrachtung von somatischer Hinwendung zur Welt gehen: Wenn wir somatische Prozesse als zwischenmenschliches und kreatürliches Fragenstellen verstehen, stellen wir damit ein dominant sozial-imaginäres Weltbild in Frage?
Und in welchem Maße treffen sich Visionen zur Selbstbestimmung, Autonomie und Empathie in somatischen Ansätzen des frühen 20ten Jahrhunderts mit dem erzieherischen Weltbild von Adorno oder den zeitgenössischen philosophischen Fragestellungen unter anderem zur Autopoiesis?

Einlass ab 20:00
Beginn: 20:15
Eintritt: 5€
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