Philosophie

Lernen und Lehren an der Somatischen Akademie Berlin?

Die Vorstellungen von Lernen und Lehren im Bereich des leiblichen Spürens, der leiblichen Selbstregulation und des leiblichen Ausdrucks haben in unserer Kultur kaum Berührungspunkte mit den Vorstellungen, die das Wort „Akademie“ auslöst: Orte des Geisteslebens, Institutionen der Hüter und Verwalter von Wissenschaften und Künsten einer Gesellschaft. „Somatische Akademie“: das klingt anmaßend, wie die Behauptung eines in sich widersprüchlichen Territoriums, eines unmöglichen Ortes, einer Utopie. Wir alle aber sind an diesem unmöglichen Ort schon gewesen, wir tragen ihn in uns, wir sind diese Utopie. Denn der als Medium des Lebens erfahrene Körper - der Leib -, ist unsere erste Akademie. 


Er ist für uns alle erstes Lernfeld und erstes Lernmittel, die Grundlage allen Lernens. Er ist Subjekt und Objekt aller Ausdrucksgesten und Grundlage aller Kommunikation. Wir haben es alle erfahren und zumeist vergessen: Alles Begreifen enthält eine Spur des ersten Greifens in sich und alles was wir später an Erfahrungen und Wissen halten und aushalten können, findet seinen Rückhalt in ersten Erfahrungen des Gehalten-Werdens. Ohne den Leib gibt es kein Wissen und keine Welt. Sich von diesem Wissen, dieser Erfahrung abgeschnitten zu haben, ist nicht nur ein akademisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem.


Unser erstes, somatisches Lernen ermöglicht uns die erstaunlichsten und tiefgreifendsten Lernprozesse: den ersten Spracherwerb, ganz ohne Lehrbuch und Schule, und das Entdecken der Möglichkeiten des eigenen Körpers. Beides geschieht im spielerischen Austausch mit der Umwelt, durch Wahrnehmen, Reagieren, Ausprobieren, Korrigieren und Wiederholen. 


Es braucht dazu den Wunsch und den Willen, teilzuhaben am Leben, das Bedürfnis, in Resonanz zu sein, mit sich und den anderen sowie eine Umgebung, die diesen Wunsch hört und beantwortet, die ihn unterstützend begleitet. Eine entscheidende und nicht zu übersehende Eigenart unseres ersten, grundlegenden Lernens, in unserer ersten Akademie ist, dass hier Lernen von gemeinsamem Leben in der Welt nicht zu trennen ist und die Aneignung des Inneren und Eigenen sich vollzieht in der Begegnung mit dem Äußeren und den Anderen.


In der Somatischen Akademie stellen wir uns auf den Grund dieses ersten, integralen Leben-Lernens. Wir erforschen diesen Grund und wir machen ihn bewusst und bewusster nutzbar in allem weiteren Lernen und Lehren. Wir arbeiten mit Fähigkeiten, die wir alle vom ersten Atemzug an geübt und erprobt haben: Wahrnehmung mit allen Sinnen, Aufmerksamkeit, Bezogenheit, Ausdruck, Austausch. Wir geben der subjektiven Erfahrung des Leibes ihren rechtmäßigen Platz gegenüber einem objektivier- und abfragbaren Wissen über den Körper. Wir trennen nicht zwischen Erfahrung der Lernenden und Lernstoff. Somatisches Wissen ist verkörpertes, erfahrenes Wissen und beeinflusst Wahrnehmung, Empfinden, Denken, Ausdruck und Handeln. 


Das Lehrangebot der Somatischen Akademie vermittelt auf dem Stand des heutigen objektiven Wissen über den Körper eine selbstermächtigende Erfahrung der leiblichen Existenz, neue Zugänge zu Erinnerungen, Gefühlen, Empfindungen und Handlungsoptionen und die Reflexion dieser Erfahrungen und der Zugangsmöglichkeiten zu ihnen. Daher ist die Beziehung von Lehrenden und Lernenden von großer Bedeutung und bedarf großer Achtsamkeit und tiefen Respekts. Die Somatische Akademie stellt sich die Aufgabe, geschützte Lern-Zeit-Räume für ein forschendes, erprobendes Lernen zu schaffen, in denen Stärken und Schwächen, Wissen und Nicht-Wissen geteilt werden können und so im Austausch das Finden des eigenen Weges möglich ist.

 

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